Breitbandversorgung in Deutschland

Schleppender Ausbau und Gefahr von neuem Monopol

Berlin, 12.12.2016

Von Dietmar Schickel, erschienen im letzten BWA-Journal


Immer mehr wird die flächendeckende Versorgung unseres Landes mit Breitbandanschlüssen und der Aufbau der nächsten Generation von Hochleistungsnetzen eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine prosperierende Wirtschaft, gesicherte Beschäftigung und anhaltenden Wohlstand. Trotz aller Anstrengungen und massiven Fördermaßnahmen der Bundesregierung fällt Deutschland allerdings im internationalen Vergleich immer weiter zurück. Zwar steigt die erforderliche Geschwindigkeit zur Nutzung neuer Dienste kontinuierlich, beispielsweise beim hochauflösenden Fernsehen (HDTV) oder dem Austausch der unterschiedlichsten Datenpakete, aber ob die gesetzten Ziele, bis 2018 flächendeckend eine Mindestgeschwindigkeit von 50 Mbit/s pro Haushalt zu erzielen, erreicht werden können, bleibt fraglich. Nach wie vor ist ein deutliches Stadt-Land Gefälle spürbar und selbst in einigen eigentlich bereits als versorgt geltenden Gegenden sind die weißen Flecken bei der Nutzung von breitbandigem Internet weiterhin für die Nutzer spürbar und dies unabhängig davon, dass die angestrebte Bandbreite von 50 Mbit/s bereits 2020 den tatsächlichen Bedarf keinesfalls mehr abdecken wird. Andere Länder bauen ihre Internetverbindungen deutlich schneller aus. Die jährliche Wachstumsrate (CAGR) beträgt zum Beispiel für diesen Bereich in China 33 %, in Schweden sind es immerhin noch 29 % und in Israel 27 %. Mit Platz 22 findet sich Deutschland mit einem Wachstum von 13,8 % im hinteren Drittel wieder. Nur noch Frankreich und Italien weisen als europäische Staaten ein schlechteres Ranking auf. Länder wie die USA und Großbritannien, die bereits über schnellere Breitbandnetze verfügen, bauen trotzdem ihre Kapazität deutlich rascher aus als Deutschland. Nachzulesen ist dies im aktuellen Akamai-Report “State of the Internet“. Akamai erfasst dabei die tatsächlichen Geschwindigkeiten, nicht die Maximalwerte, mit denen zum Beispiel Anbieter werben.

Was sind die Ursachen, dass Deutschland so weit im Breitbandausbau zurückliegt?

Dies basiert teilweise auf dem zu spät erfolgten Verkauf der im Besitz der damaligen Deutschen Bundespost befindlichen Kabelnetze, die erst ab dem Jahr 2000 als Wettbewerbsmedium gegenüber der heutigen Telekom in die freie Wirtschaft entlassen wurden und damit lange Zeit dem DSL-Angebot (Digital Subscriber Line) keine Alternative entgegenzusetzen hatten. Erst der verzögerte Ausbau der Kabelnetze für sogenanntes Triple Play (Fernsehen/Internet/ Telefon) veranlasste auch die Telekom, einen verstärkten Ausbau ihrer Telefonnetze vorzunehmen und VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) mit höheren Geschwindigkeiten und auskömmlichen Preisen anzubieten, ohne dabei tatsächlich einen Breitbandausbau mit dem Aufbau eigener Glasfasernetze stärker voranzutreiben. Und die Geschichte wiederholt sich – mit der sogenannten Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur (BNetzA) wird die Telekom einseitig begünstigt, große Teile Deutschlands exklusiv mit dieser technischen Zwischenlösung ausbauen zu dürfen. Als Folge droht eine Re-Monopolisierung des Festnetzes. Mit dieser Strategie erreicht die Telekom unter anderem, dass Wettbewerber, die eine eigene Glasfaser-infrastruktur errichten wollen, häufig im direkten Kostenvergleich erheblich teurer erscheinen und der jeweilige Auftrag und die entsprechenden Fördermittel wiederum dem ehemaligen Staatsunternehmen zufallen. Tatsächlich wird aber nur eine veraltete Kupfertechnik aufgerüstet und Deutschland steht bei der Breitbandversorgung weiter hinten an. Aber wie steht es auf der Webseite des Breitbandbüros des Bundes:

„Maßgebliche Voraussetzung für die Zielerreichung sind Wettbewerb sowie Technologie- und Anbietervielfalt. Die Ziele lassen sich nur erreichen, wenn Bund, Länder, Kommunen und Wirtschaft an der Umsetzung mitwirken.“ - Leichter gesagt, als getan!

 

Dietmar Schickel

Dietmar Schickel, im Rheinland geboren, gehört zu den Männern der ersten Stunde im deutschen Kabel-TV Geschäft. Der gelernte Fachkaufmann für Marketing begann seine Karriere nach Abitur und Ausbildung als Marketingleiter in Versicherungs- und Handelsunternehmen. Im November 1986 kam er nach Berlin und baute im Auftrag der Bertelsmann AG eine der ersten regionalen Kabel-Servicegesellschaften in Deutschland auf. Anfang der Neunzigerjahre übernahm er die Geschäftsführung, das Marketing und den Vertrieb der Tele Columbus Gruppe. Nach 27 Jahren schied er zum 31.12.2013 aus dem Unternehmen aus. Zurzeit arbeitet er als selbstständiger Consultant mit seinem Unternehmen DSC Dietmar Schickel Consulting für diverse Medien- und Immobilienunternehmen und berät in Sachen Breitbandausbau Landkreise, Städte und Gemeinden.