Dr. Thomas Gambke im Hintergrundgespräch

Mittelstandsbeauftragter der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen diskutiert mit der vom BWA ins Leben gerufenen Allianz der Verbände

Berlin, 13.12.2016

In einer angeregten Diskussion tauschten sich am 22. November Führungskräfte aus Wirtschaft und Verbänden mit Dr. Thomas Gambke im Deutschen Bundestag zu grünen Perspektiven auf den Mittelstand aus. Innovationspolitik, Digitalisierung und das grüne Kernthema Energiewende standen im Mittelpunkt der Diskussion.

Der Feststoffphysiker und Unternehmer Dr. Thomas Gambke ist Mittelstandsbeauftragter der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Er ist ordentliches Mitglied im Finanzausschuss sowie dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Er hat es sich zum Ziel gesetzt, auch über sein Bundestagsmandat hinaus, Wirtschaft und Grüne stärker miteinander zu verbinden.

 

 

#aufAugenhöhe

Gleich zu Beginn stand die Frage im Raum, wie unternehmerisches Handeln und grüne Politik für Thomas Gambke als Unternehmer zusammengehen. Gambke unterstrich zunächst, dass der ökologische Fußabdruck in Deutschland und anderen Industrieländern fernab jeglicher Nachhaltigkeit liegt. Es sei an uns, daran etwas zu ändern und mit gutem Beispiel voranzugehen. In diesem Sinne geschieht auch dem Unternehmer Thomas Gambke zu wenig.

Eine gewisse „Wirtschaftsferne“ von Bündnis 90/Die Grünen sei nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Dies liegt in den Ursprüngen der Partei. Dennoch wachsen die Verbindungen in die Wirtschaft: „Da bewegt sich etwas bei den Grünen.“ Abgesehen von der Debatte um die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, sieht Thomas Gambke keine wirtschaftspolitisch kritischen Punkte im aktuellen Parteiprogramm. Vielmehr sieht er den Einsatz für höhere Abschreibungsgrenzen oder den Kampf gegen Umsatzsteuerbetrug als Projekte, die deutlich Richtung Wirtschaft gehen.

Nachhaltiger Wandel betrifft alle Akteure

Für Gambke steht fest, die Dekarbonisierung muss kommen, aber nicht gegen die Wirtschaft, sondern nur mit der Wirtschaft. Die Einladung von Daimler-Vorstand Dieter Zetsche zum Bundesparteitag nach Münster zeigt, dass sich die Partei der Auseinandersetzung stellt. Zetsche habe das Thema Dekarbonisierung „sehr glaubwürdig vertreten“, so Gambke. Der wachsende Kontakt zur Wirtschaft ist für die Bündnis 90/Die Grünen eine neue Erfahrung, wie Gambke an einem Beispiel illustriert: „Wir trauen uns übrigens nicht in unser Wahlprogramm zu schreiben, dass die Tonne CO2 vierzig Euro kosten sollte. Kein geringerer als Axel Weber, früherer Bundesbankpräsident und jetzt Vorstand UBS Group AG, verlangt das von uns." Ambitionierte Ziele sind mitunter schmerzhaft wie Gambke unterstreicht, sie geben aber die notwendige Transparenz und Orientierung, die Investitionen in unternehmerisches Handeln möglich machen.

Handelsabkommen müssen eine Option bleiben Thomas Gambke schloss sich der Perspektive Tarek Al-Wazirs an, der auf dem Parteitag in Münster sich für eine Fortsetzung von Abkommen wie CETA ausgesprochen hat. Grundbedingung dafür sei allerdings, dass kritische Punkte wie Schiedsgerichte gelöst worden sind. Im Hinblick auf CETA unterstrich Gambke auch die strategische Bedeutung solcher Abkommen. Mit der Wahl Donald Trumps kann das Freihandelsabkommen – geschlossen mit einer liberal orientierten Regierung in Kanada - stabilisierend in den transatlantischen Beziehungen wirken. Stabilität und strategische Partnerschaften sind gerade im Hinblick auf das Wachstums Chinas unerlässlich.

Mit dem Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht ist auch die erregte Debatte um die Übernahme von KUKA verbunden. Aus dem Publikum kam die Frage, ob und wie sich Innovationen im Mittelstand effektiver schützen lassen.

Schnelligkeit ist für Thomas Gambke bestimmend für den Geschäftserfolg. Schnelligkeit kann sich in vielen Branchen als der „beste Schutz vor Kopierern“ erweisen. Ansätze, wie eine transparente Zusammenarbeit aller Zulieferer auf einer gemeinsamen Plattform, könnten ein Schritt in die richtige Richtung sein. Innovative Geschäftsmodelle umzusetzen bedarf unternehmerischer Risikobereitschaft, aber auch einer besonderen Stärke des Mittelstands: die Fähigkeit kurzfristig neue Wege zu gehen.

Thomas Gambke betonte, dass in Zukunft nicht der Schutz von Patenten primäres Interesse sein muss, sondern der Schutz der gewonnenen Daten. Diese sind der entscheidende Innovationsfaktor für die Zukunft.

 

 

Mittelstand digital

Hinsichtlich der Digitalisierung fordert Thomas Gambke Unternehmen auf, die eigenen Produkte und Dienstleistungen darauf zu untersuchen, wo diese Trends in der Digitalisierung ausgesetzt sind. Digitalisierung bedeutet in diesem Sinne eine weise Vorausschau gepaart mit unternehmerischer Risikobereitschaft. Bildung ist der langfristige Schlüssel zu unternehmerischer Agilität, eine wenig überraschendes Argument, wie Gambke anmerkt. Er verlangt unter anderem onlinegestützte Lehrformate sowie eine Priorisierung der Vermittlung grundsätzlicher Fähigkeiten vor Spezialwissen. Außerdem sollen durch eine steuerliche Forschungsförderung die Unternehmen gefördert werden, für die klassische Förderkonzepte bislang zu aufwändig sind.

Die Schlussfrage des Abends, was er sich von der Wirtschaft erwarte, erwiderte Gambke mit dem Aufruf an die anwesenden Unternehmer*innen, sich politisch einzubringen und Stellung zu beziehen. Ein Unternehmen, das sich mit der Lokalpolitik auseinandersetzt oder sich für Schulen öffnet, fördert ein besseres Verständnis mittelständischen Unternehmertums.