Glücksspielregulierung in Europa neu denken: Freiheit, Sicherheit und ein gemeinsamer Markt

Frankfurt am Main,

Am 25. Juni 2026 lud der Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) zu einer Fachveranstaltung in das Steigenberger Hotel Frankfurter Hof ein, um über die Zukunft der Glücksspielregulierung in Europa zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie ein europäischer Regulierungsrahmen gestaltet werden kann, der individuelle Freiheitsrechte, Rechtssicherheit und die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes gleichermaßen gewährleistet.

BWA-Vorstandsvorsitzender Michael Schumann eröffnete den Abend mit dem Hinweis, dass die europäische Glücksspielregulierung zunehmend unter Spannung steht: Einerseits verfolgen Mitgliedstaaten legitime Ziele wie Verbraucherschutz und Marktaufsicht, andererseits führt die Vielzahl nationaler Sonderwege zu einer wachsenden Fragmentierung des europäischen Binnenmarktes. Gerade im digitalen Raum stoßen nationale Grenzen immer häufiger an ihre praktische und rechtliche Wirksamkeitsgrenze.

In der anschließenden Diskussion mit Vertretern der Glücksspielbranche sowie aus der Politik, der Wissenschaft und von Regulierungsbehörden wurde deutlich, dass die zentrale Herausforderung nicht allein in der Regulierung selbst liegt, sondern in deren Kohärenz. Unterschiedliche nationale Vorgaben, abweichende Lizenzmodelle und uneinheitliche Vollzugspraxen erzeugen erhebliche Wettbewerbsverzerrungen und erschweren die Schaffung eines funktionierenden europäischen Marktes.

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Nach der Begrüßung des BWA-Vorstandsvorsitzenden folgte der Impulsvortrag von Rechtsanwalt Dr. Nik Sarafi

Den Impulsvortrag hielt Dr. Nik Sarafi, Geschäftsführer der DR. SARAFI Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und ausgewiesener Kenner der Materie. Unter dem Titel „Legal heißt nicht sicher, reguliert heißt nicht Schwarzmarkt“ stellte er die verbreitete Gleichsetzung von nationaler Erlaubnis mit tatsächlicher Sicherheit grundlegend infrage. Seine zentrale These: Die derzeitige Regulierung fokussiere sich zu stark auf formale Lizenzierungsfragen und zu wenig auf die tatsächliche Schutzwirkung regulatorischer Maßnahmen. Anhand konkreter Beispiele zeigte Dr. Sarafi, dass ein im EU-Ausland regulierter Anbieter mit umfassenden Identitätsprüfungen, Geldwäscheprävention, technischen Audits und funktionierenden Schutzmechanismen nach deutschem Recht dennoch als „illegal“ eingestuft werden kann, während die regulatorische Bewertung damit kaum Rückschlüsse auf das tatsächliche Sicherheitsniveau zulässt. Diese formale Betrachtungsweise, so Dr. Sarafi, verfehle sowohl den Verbraucherschutz als auch das Ziel eines kohärenten europäischen Marktes.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine Kritik an der bestehenden Schutzlogik im deutschen Regulierungsmodell. Dr. Sarafi argumentierte, dass Schutz nicht an nationalen Grenzen festgemacht werden könne. Ein Spieler in Madrid unterscheide sich nicht grundsätzlich von einem Spieler in Berlin; dennoch werde identisches Verhalten abhängig vom nationalen Rechtsraum völlig unterschiedlich bewertet. Daraus entstehe ein regulatorisches Paradoxon: Was in einem Mitgliedstaat als sicher und legal gilt, kann im Nachbarstaat als Schwarzmarkt eingestuft werden. Entscheidend ist hierbei jedoch vielmehr die tatsächliche Kohärenz zwischen regulatorischem Anspruch und praktischer Umsetzung.

Im weiteren Verlauf der vom BWA-Generalbevollmächtigten Urs Unkauf moderierten Diskussion rückte die europäische Dimension in den Fokus. Die Gäste waren sich weitgehend einig, dass die Digitalisierung die Grenzen nationaler Regulierungsansätze zunehmend offenlegt. Kulturelle Unterschiede und nationale Traditionen mögen unterschiedliche regulatorische Akzente erklären, sie rechtfertigen jedoch nicht zwangsläufig eine dauerhafte Zersplitterung eines gemeinsamen digitalen Binnenmarktes.

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BWA Senatsmitglied Kai Scholz, Marcel Queckemeyer, MdB, Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages, und Dr. Nik Sarafi

Ein zentraler Diskussionspunkt war die Frage, ob Europa nicht zunächst einen harmonisierten Glücksspielbinnenmarkt schaffen sollte, bevor zusätzliche fiskalische oder steuerpolitische Belastungen eingeführt werden. Ohne regulatorische Kohärenz droht die Gefahr, dass steuerliche Eingriffe Wettbewerbsverzerrungen weiter verschärfen und illegale Marktstrukturen unbeabsichtigt stärken. Dr. Sarafi plädierte in diesem Zusammenhang für einen europäischen Digital Gambling Act, der gemeinsame Mindeststandards für Verbraucherschutz, technische Sicherheit, Markttransparenz und regulatorische Anerkennung schaffen könnte. Ein solcher Ansatz würde nationale Schutzinteressen nicht aufheben, könnte aber die Widersprüche des heutigen Systems deutlich reduzieren und mehr Rechtssicherheit für Anbieter wie Verbraucher schaffen.

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Trotz des heißen Wetters fand die Veranstaltung regen Zuspruch

Die Veranstaltung machte deutlich: Europas Glücksspielregulierung steht an einem Wendepunkt. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob Regulierung notwendig ist, sondern wie sie unter den gegenwärtigen Bedingungen konkret ausgestaltet sein muss, um Freiheit, Sicherheit und fairen Wettbewerb gleichermaßen zu ermöglichen. Der BWA wird den Dialog zu diesem Thema fortlaufend begleiten und auch künftig eine Plattform für den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung bieten.

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Sommerempfang auf der Ehrenhofterasse des Hotels Frankfurter Hof