Berlin,

Der Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) unterstützt das gemeinsame Positionspapier der Fraunhofer-Gesellschaft und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zur Stärkung der Innovationsfreiheit in Deutschland. Die darin formulierten Vorschläge setzen aus Sicht des BWA an einem zentralen Problem des deutschen Innovationsstandorts an: Exzellente Forschung allein sichert noch keinen wettbewerbsfähigen Industriestandort. Entscheidend ist, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Produkte, industrielle Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitsplätze zu überführen.
Deutschland verfügt unverändert über wissenschaftliche Kompetenz von internationalem Rang. Im globalen Wettbewerb gewinnt jedoch die Geschwindigkeit, mit der Innovationen von der Forschung über Erprobung und Pilotierung bis zur industriellen Skalierung gelangen, zunehmend an Bedeutung. Gerade an diesen Schnittstellen gehen in Deutschland noch zu häufig Zeit und damit wirtschaftliche Chancen verloren.
Der BWA begrüßt deshalb insbesondere den Ansatz der Autoren, nicht primär auf neue Förderprogramme und zusätzliche Regulierung zu setzen, sondern bestehende Hemmnisse entlang des Innovationspfades abzubauen. Dazu gehören weniger Bürokratie, klarere Zuständigkeiten, standardisierte und vollständig digitale Verfahren sowie eine deutliche Verkürzung der sogenannten „Time-to-Grant“.
Von besonderer Bedeutung ist aus Sicht des Verbandes die Überwindung des „Valley of Death“ zwischen erfolgreicher Forschung und industrieller Anwendung. Neue Technologien müssen in Deutschland unter realitätsnahen Bedingungen erprobt, validiert und zur Marktreife gebracht werden können. Demonstratoren, Pilotanlagen und begrenzte Null- und Kleinserien können dabei eine wichtige Brücke zwischen wissenschaftlicher Entwicklung und industrieller Skalierung bilden.
„Deutschland kann es sich nicht leisten, wissenschaftlich an der Spitze zu stehen und bei der Umsetzung ins Hintertreffen zu geraten“, erklärt Michael Schumann, Vorstandsvorsitzender des BWA. „Im internationalen Wettbewerb kommt es immer stärker auf die Zeit bis zur Marktreife an. Sie entscheidet mit darüber, ob aus wissenschaftlicher Exzellenz auch industrielle Stärke und Wertschöpfung am Standort Deutschland entstehen.“
Technologische Souveränität ist für den BWA dabei nicht mit Abschottung gleichzusetzen. Sie entsteht vielmehr durch Innovationskraft, eine wettbewerbsfähige industrielle Basis und die Fähigkeit, wissenschaftliches und technologisches Wissen erfolgreich in wirtschaftliche Wertschöpfung zu übersetzen. Gerade vor dem Hintergrund eines sich beschleunigenden internationalen Technologie- und Standortwettbewerbs müssen Forschung, Wirtschaft und Politik dafür enger zusammenwirken.
Der BWA unterstützt die von Fraunhofer-Gesellschaft und BDI vorgeschlagene Stoßrichtung daher ausdrücklich und vollumfänglich. Entscheidend wird sein, die vorgeschlagenen Maßnahmen zügig in die Praxis zu überführen und Innovationspolitik stärker an ihrer tatsächlichen Wirkung zu messen. Neben einer kürzeren „Time-to-Grant“ muss dabei insbesondere die „Time-to-Market“ in den Mittelpunkt rücken.

